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Strompreisbremse mit Fragezeichen

Frank Müller, Vertriebsleiter Stadtwerke Energie Jena-Pößneck

Stadtwerke Energie befürworten Entlastung ihrer Kunden, benötigen jedoch Rahmenbedingungen  

Die im Rahmen des dritten Entlastungspakets von der Bundesregierung angedachte Strompreisbremse sorgt bei den Verantwortlichen der Stadtwerke Energie momentan noch für einige Fragezeichen. Vertriebsleiter Frank Müller: „Über den Fakt hinaus, dass die Strompreisbremse kommt, sind die Rahmenbedingungen der Umsetzung und zeitliche Meilensteine leider noch unklar. Wir hoffen, dass die Maßnahmen durch die Bundesregierung zügig konkretisiert werden, damit unsere Kunden davon profitieren können“. Eingeführt werden soll die Strompreisbremse, um private Haushalte sowie kleine und mittelgroße Firmen vor dem Hintergrund steigender Gaspreise zu entlasten. So sollen diese einen Basisverbrauch ihres Stroms zu einem „vergünstigten“ Preis beziehen können. Für einen Verbrauch darüber hinaus wäre der Preis nicht begrenzt. 

In der Praxis fehlt es den Jenaer Stadtwerken dafür jedoch beispielsweise an der Datengrundlage. „Wir haben keine Kenntnis davon, wie viele Personen ganz konkret in jedem einzelnen Jenaer Haushalt leben. Auch fehlen uns die speziellen Softwarelösungen, die es zu einer solchen konkreten Bestimmung bräuchte.“ Darüber hinaus erwarten die Stadtwerke Energie einen hohen  Verwaltungsaufwand, um den neuen Abrechnungsprozess für mindestens 60.000 Verträge zu integrieren.  

Den grundlegenden Ansatz der Politik, Verbraucherinnen und Verbraucher vor explodierenden Preisen für Strom und Gas zu schützen, befürworten die Stadtwerke ausdrücklich. Frank Müller: „Seit dem russischen Angriffskrieg sind die Preise auf den Energiemärkten auf dem Höhenflug; ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Wir Stadtwerke und unsere Kunden sind das letzte Glied in einer Kette von Vorlieferanten, die alle ihre Preise erhöhen. Den Umstand haben wir nicht zu vertreten und müssen dennoch die Konsequenzen  tragen. Dass die Politik ab einem gewissen Punkt schützend eingreift, ist richtig und wichtig.“ Als Beispiel führt er an: Kostete Strom an der Börse vor zwei Jahren im Jahresmittel noch zwischen 40 und 50 Euro pro Megawattstunde, liegt der Preis momentan bei 500 bis 600 Euro. Solche Sprünge seien auch durch einen vorausschauenden Einkauf nicht zu kompensieren.  

Neben notwendigen Entlastungen der Verbraucher bleibe das Einsparen von Energie weiterhin das Gebot der Stunde. „Jede eingesparte Kilowattstunde Energie hilft, die Ausgangslage bei der Versorgung im kommenden Winter zu verbessern“, sagt Frank Müller.  

Der Spartipp 

Ist das Licht auch noch so klein: Alles, was zu Hause leuchtet, verbraucht Strom – und das oft ohne Grund. Der Stand-by-Betrieb elektrischer Geräte ist zwar praktisch, aber auch teurer. Fernseher, Receiver, WLAN-Router und Computer sollten daher besser an eine abschaltbare Steckerleiste angeschlossen werden. Diese kann einfach abgeschaltet werden, wenn die Geräte nicht im Gebrauch sind. Wer das Ausschalten gern mal vergisst, kann das Problem mit einer Zeitschaltuhr lösen.