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Grünes Licht für E-Mobilität: „Elektromobilität Jena 2030“ geht in die Verlängerung

Super-Schnell-Lader kommen, Wasserstoff technisch und wirtschaftlich in der Prüfung

Grünes Licht für umweltfreundliche Mobilität in Jena: In seiner Sitzung am Mittwoch, 17. Februar, verlängerte der Stadtrat das Projekt „Elektromobilität Jena 2030“ um weitere fünf Jahre. Darüber hinaus wurde beschlossen, den Fokus des Projekts zu erweitern und die Themenfelder Wasserstoff und synthetische Treibstoffe in die Arbeit aufzunehmen.

Projektleiter André Kliem von den Stadtwerken Jena: „Wir freuen uns, dass die Stadt die Bedeutung von Elektromobilität als Antriebsform der Zukunft würdigt und unserem Netzwerk die Chance gibt, mit gebündelter Kraft weitere konkrete Maßnahmen auf den Weg zu bringen.“ Die Projektgruppe vereint lokale Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft, verschiedenen Unternehmen der Stadtwerke Jena Gruppe, Wohnungsgesellschaften und städtischen Eigenbetrieben. Seit 2017 schafft das Netzwerk die Voraussetzungen dafür, dass bis 2030 mindestens 10.000 Elektroautos durch die Saalestadt rollen und herkömmliche Kraftstoffe durch elektrische Antriebe ersetzt werden.

Die steigenden Zulassungszahlen für Elektro-Fahrzeuge zeigen dabei, dass Elektromobilität in Jena angekommen ist: Ende 2020 waren bereits 510 Fahrzeuge vollelektrisch oder als sogenannte Plug-In-Hybride unterwegs. Das Jenaer Stromnetz ist laut Stadtwerke-Kapazitätsanalysen auf die steigende Zahl von E-Fahrzeugen vorbereitet. Darüber hinaus arbeitet der Energieversorger an Ladelösungen für die verschiedenen Bedürfnisse der E-Autofahrer.

Ladeinfrastruktur: weniger öffentlich - mehr privat, Super-Schnell-Lader kommen 

Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur verlagert sich aktuell der Schwerpunkt der Stadtwerke Energie: In den ersten Projektjahren lag der Fokus im Aufbau möglichst vieler öffentlicher Ladepunkte; mittlerweile 50 gibt es davon in Jena. Mit steigenden Zulassungszahlen im privaten und gewerblichen Bereich setzen immer mehr E-Autofahrer sowie Unternehmen auf eigene Ladesäulen. Inzwischen sind so über 100 private und gewerbliche Ladepunkte in Jena entstanden. Matthias Stüwe, verantwortlich für den Ausbau der Ladeinfrastruktur bei den Stadtwerken Energie: „Das Laden an herkömmlichen Ladepunkten nimmt mehrere Stunden in Anspruch und ist damit vorrangig für Ladevorgänge Zuhause oder am Arbeitsplatz geeignet. Weil diese Möglichkeiten nicht allen E-Autofahrern offenstehen, wollen wir weitere Anwendungs-Szenarien ausprobieren und anbieten.“

In einem neuen Pilotprojekt loten die Stadtwerke Jena deshalb aus, ob und wie Super-Schnell-Ladesäulen (so genannte High-Power-Charger) in Jena und der Region angenommen werden. An diesen Ladesäulen dauert der Ladevorgang lediglich circa 10 Minuten und kann zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause erfolgen. Noch in diesem Jahr sollen zwei erste Super-Schnell-Lader an den städtischen Einfahrtsstraßen im Bereich der Rudolstädter Straße und der B7 im Westviertel entstehen. Werden diese gut angenommen, erfolgt ein weiterer Ausbau an weiteren Einfahrtsstraßen.

Ein weiteres Pilotprojekt ermittelt die Bedürfnisse von Mietern in Wohngebieten. In Zusammenarbeit mit Jenas Wohnungsgesellschaften ergänzen die Stadtwerke dabei die öffentlichen Ladesäulen in Jenas Wohngebieten um persönliche Ladesäulen für Mieter von Park- und Tiefgaragenstellplätzen. Sechs solcher Ladepunkte sollen im Frühjahr 2021 in der Winzerlaer Anna-Siemsen-Straße entstehen. Weitere folgen im Jahresverlauf in der Siegfried-Czapski-Straße und der Stauffenbergstraße. Auch hier erfolgt der weitere Ausbau entsprechend der Mieter-Bedürfnisse. Darüber hinaus wird mit dem städtischen Eigenbetrieb Kommunalservice Jena (KSJ) an Lösungen für „Straßenparker“ gearbeitet. Für Elektro-Gelegenheitsfahrer wird der E-Car-Sharing-Stellplatz Am Anger in diesem Jahr um einen weiteren Standort in Lobeda ergänzt.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur wird außerdem auch in städtischen Infrastrukturprojekten mitgedacht: Unter anderem das neue Parkhaus am Inselplatz, die neue Bibliothek und der Bürgerservice, die Schwimmhalle in Lobeda und das Smarte Quartier Jena-Lobeda werden allesamt mit Elektro-Ladepunkten ausgestattet.

Wasserstoff: technische und wirtschaftliche Machbarkeit auf dem Prüfstand  

Für Wasserstoff und synthetische Treibstoffe identifizierte die Projektgruppe im letzten Jahr verschiedene Anwendungsfälle, die in Zukunft theoretisch relevant für Jena sein könnten. Beispielsweise für den öffentlichen Nahverkehr, Nutzfahrzeuge der Müllentsorgung oder Schwerlasttransporte für Logistikfirmen könnte sich Wasserstoff als Alternative zu herkömmlichen Kraftstoffen etablieren. Bis jedoch erste konkrete Maßnahmen wie der Aufbau von Wasserstofftankstellen in Jena erfolgen, bewertet die Projektgruppe deren technische und wirtschaftliche Machbarkeit. Eine Entscheidung soll in etwa zwei Jahren fallen. Darüber hinaus wird auch der Einsatz von Wasserstoff im Bereich der Wärme- und Energieversorgung untersucht.

Weitere Handlungsfelder: Elektrifizierung Nahverkehr und eigene Fuhrparks

Mit den ersten drei E-Bussen begann 2020 die „Elektrifizierung“ der Busse des Jenaer Nahverkehrs. Für das Jahr 2022 ist die Beschaffung weiterer E-Busse geplant.

Um beim Thema Elektromobilität mit gutem Beispiel voranzugehen, stellen sowohl die Unternehmen der Stadtwerke Jena Gruppe als auch die Jenaer Stadtverwaltung und Eigenbetriebe ihre Fuhrparks auf „elektrisch“ um: In diesem Jahr zählt der Stadtwerke-Fuhrpark 28 E-Autos, 18 E-Fahrzeuge sind bei der Stadtverwaltung und fünf bei Kommunale Immobilien Jena (KIJ) im Einsatz.

Weitere Informationen zum Projekt Elektromobilität Jena 2030: https://www.stadtwerke-jena-gruppe.de/unternehmen/elektromobilitaet.html