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03.05.2018

Ein Jahr Projekt „Elektromobilität Jena 2030“


Seit April 2017 bringt die kommunale Projektgruppe “Elektromobilität Jena 2030“ Entscheider aus Politik und Verwaltung, aus Wirtschaft und Forschung, von Stadtwerke-Unternehmen, Wohnungsgesellschaften und städtischen Eigenbetrieben an einen Tisch. Gemeinsames Ziel: Die Voraussetzungen schaffen, damit im Jahr 2030 mindestens 10.000 Elektroautos durch Jena rollen können. In sieben Teilprojekten bearbeitet die Gruppe unter Leitung der Stadtwerke Jena unterschiedliche Aspekte dieses vielschichtigen Themas. Nach einem Jahr Projektarbeit sind erste Meilensteine erreicht – und es bleibt noch viel zu tun.

Den wichtigsten Meilenstein erreichte Mitte April das Teilprojekt „E-Mobilität im Nahverkehr“: Umweltministerin Anja Siegesmund überreichte dem Jenaer Nahverkehr eine 2,22 Millionen Euro-Fördermittelzusage für die „Elektrifizierung“ der Buslinie 15 Westbahnhof – Stadtzentrum – Rautal. Als erstes Verkehrsunternehmen in Thüringen wird Jena ab Dezember 2019 Elektrobusse im Linienverkehr einsetzen. Die Anschaffung von drei Fahrzeugen, der zugehörigen Ladeinfrastruktur, Werkstattausrüstung und Mitarbeiterqualifikation werden zu 80 Prozent gefördert. In den nächsten 15 bis 20 Jahren soll schrittweise die gesamte Busflotte „elektrifiziert“ werden.

Wichtige Grundlagenarbeit wurde im Teilprojekt „Vorbereitung Elektrizitätsnetz“ geleistet. So erwarten die Stadtwerke Jena Netze von den angestrebten 10.000 E-Autos einen zusätzlichen Strombedarf von rund 30 Gigawattstunden (GWh) im Jahr - bei einem derzeitigen Jahresabsatz von etwa 500 GWh im Netzgebiet Jena ein überschaubarer Zuwachs. „Deutlich herausfordernder ist die Bereitstellung der nötigen Leistung im Netz“, berichtet Stadtwerke-Projektleiter André Kliem. „Tausende E-Autos, die alle nach Feierabend gleichzeitig laden wollen: Solche Lastspitzen sind ohne gezielten Netzausbau und eine intelligente Steuerung der Ladevorgänge nicht zu stemmen.“ Deshalb sei aus Sicht der Netzinfrastruktur anzustreben, die langen Standzeiten der Fahrzeuge zu Hause oder am Arbeitsplatz für „langsames“ Laden zu nutzen. Dafür braucht es im Jahr 2030 ein dichtes Netz von etwa 4.000 bis 6.000 privaten und öffentlichen Ladepunkten.

Wie diese technisch und baulich, aber auch den Kundenbedürfnissen entsprechend in eine gewachsene und weiter wachsende Stadt wie Jena zu integrieren sind, damit beschäftigen sich die drei Teilprojekte „Ladeinfrastrukturkonzept“, „E-Mobilität in der Wohnungswirtschaft“ sowie „Städtische Rahmenbedingungen“. Als ordnungspolitischer Rahmen wurden ein Kriterienkatalog für geeignete Ladestandorte und Erschließungsstandards für neue Wohn- und Gewerbegebiete entwickelt. Mit jenawohnen arbeitet das Netzwerk an Ladekonzepten für Großwohnraumsiedlungen. Verfügen Mieter über einen eigenen Stellplatz, könnten dort sukzessive Ladepunkte nachgerüstet werden. Für die große Gruppe der „Straßenparker“ ist der Aufbau von Ladeinseln angedacht, die von einem eingeschränkten Nutzerkreis gemeinsam genutzt werden könnten.  

Parallel dazu arbeiten die Stadt Jena und die Stadtwerke Jena an der Umstellung ihrer eigenen Fuhrparke. Nach einem festen Kriterienkatalog werden Pkw und Kleintransporter mit einer Laufleistung von maximal 150 Kilometern am Tag (ausgenommen Bereitschaftsfahrzeuge) durch E-Autos ersetzt. „Mit Blick auf verfügbare serientaugliche Fahrzeuge liegt unser Umrüstpotenzial derzeit bei 20 bis 30 Prozent“, schildert Kliem. Die höheren Anschaffungskosten der E-Autos werden bereits bei einer Laufleistung von 12.000 bis 15.000 Kilometern pro Jahr durch die Einsparungen beim „Tanken“ und im Betrieb gedeckt.

Gute Erfahrungen macht die Projektgruppe im Teilprojekt „Elektromobilität im Gewerbe“.  In dem offenen Netzwerk für „elektromobile“ Unternehmen und solche, die es werden wollen, werden Erfahrungen geteilt und gemeinsam Lösungen zu Themen wie Mitarbeiterladen, Fuhrparkumstellung oder Job-E-Rad besprochen und erarbeitet. Das Netzwerk hat 2017 den „Tag der Elektromobilität“ in der Jenaer Innenstadt mit einem Autokorso von fast 40 E-Autos organisiert.

Nach den guten Erfahrungen aus dem Vorjahr, ist für den 22. September ein weiterer
„Tag der Elektromobilität“ in der Innenstadt geplant.