SWJ, Stadtwerke Jena Gruppe, Elektromobilität

Stadtwerke untersuchen Fernwärmeleitung mit innovativer Kanalraupe

Um ihre unterirdischen Fernwärmeleitungen auf mögliche Schäden zu untersuchen, arbeiten die Stadtwerke Jena Netze mit dem Institut für Angewandte Bauforschung (IAB) aus Weimar zusammen. Die Wissenschaftler haben mit dem so genannten „Crawler Eye“ (“krabbelndes Auge“) ein Inspektionsgerät entwickelt, das so flach ist, dass es selbst in die engsten Heizkanäle passt. Von dort liefert ein schwenkbares Kamerasystem 360-Grad-Aufnahmen aus sonst unzugänglichen Rohren und Schutzeinrichtungen.  

 

Die Stadtwerke nutzten das “Crawler Eye” unter anderem zur Untersuchung einer besonders sensibel gelegenen Fernwärmeleitung. Die aus den 1970er Jahren stammende Trasse verläuft zwischen Sportgymnasium und Stadion und unterquert dabei sowohl die Stadtrodaer Straße als auch die Straßenbahnschienen. “In dem die Leitungen umschließenden Schutzrohr haben wir bei unseren Routinekontrollen Feuchtigkeit bemerkt”, berichtet Bernd Heinemann, Bereichsleiter Fernwärme bei den Stadtwerken Jena Netze. “Das kann viele Ursachen haben, mehr oder weniger schwerwiegende. Aber der Heizkanal ist so eng, dass niemand hineinkriechen kann. Und einfach nur, um mal reinzuschauen, gräbt man eine so viel befahrene und wichtige Verkehrsader wie die Schnellstraße ungern auf.”  

 

Da kam das Angebot der IAB-Wissenschaftler für den Projektversuch gerade recht. Die Forscher sind immer auf der Suche nach Einsatzmöglichkeiten, um ihr “Crawler Eye” testen und weiterentwickeln zu können. Und das gerade einmal acht Zentimeter hohe Inspektionsgerät hat seine Bewährungsprobe in Jena vollauf bestanden. Ferngesteuert mit einer Art Joystick, konnte das kettenbetriebene Minifahrzeug rund 28 Meter weit in den Schutzkanal vordringen. Die dabei übermittelten Videobilder ließen Bernd Heinemann und seine Kollegen zunächst aufatmen. “Die Leitung selbst und auch die wichtigen Isolierungen sind unbeschädigt, ein akuter Handlungsbedarf besteht erstmal nicht”, so Heinemann. “Für diese Erkenntnis hätten wir auf herkömmlichem Wege mehrere Wochen Bauzeit und eine Vollsperrung gebraucht. Aus unserer Sicht war das Pilotprojekt also ein voller Erfolg.” In den kommenden Monaten wird die Trasse nun noch häufiger kontrolliert, um mögliche Veränderungen rechtzeitig zu bemerken.

 

Videoaufnahmen von der Kanalbefahrung in Jena finden Sie hier.